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Angedacht

Viele feiernde Menschen

„Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide!“

Die Worte von Paul Gerhard haben mich auf einem Spaziergang begleitet. Alles scheint momentan in besonders leuchtenden Farben. Und dazu der viele Regen, der dem Grün immer neuen Treibstoff und Antrieb gibt. Man kommt ja kaum noch mit dem Rasen mähen hinterher, so sehr sprießt es überall. Auf den Feldern reift das Getreide mit großer Kraft, und wenn man in die Wälder schaut, sieht man kaum braune Stellen, sondern nur kräftiges Grün.

Die vergangenen extrem trockenen Jahre sind vergessen. Manch einer stöhnt schon unter dem unablässigen Regen, der uns seit Frühjahr begleitet. Für die Landwirtschaft besteht die Gefahr, dass sich Schimmelpilze bilden. Außerdem ist noch nicht alles Heu eingebracht, weil es nach dem Schneiden erst trocknen muss. Die Gartenbesitzer hingegen freuen sich, weil sie nicht wie in der Vergangenheit ständig gießen müssen. Der Regen hält den Garten frisch.

Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle. Du lässt ihr Getreide gut geraten; denn so baust du das Land. Psalm 65,10

Während wir seit vielen Monaten mit den Gefahren der Pandemie und möglichen oder nötigen Maßnahmen dagegen beschäftigt sind, zeigt uns die Natur ihr anderes Gesicht: Leben blüht auf, wächst in Hülle und Fülle, schenkt Reichtum, Zukunft und Sicherheit. Sogar die Insekten scheinen zurückzukommen, und in den vielen Blumenwiesen, die an den Feldern und um die Häuser blühen, tummeln sich Bienen und Hummeln. Der Vogelgesang zeugt von zahlreichen Populationen, an den Vogelgetränken herrscht morgens und abends reger Betrieb.

Mit dem Klimawandel werden wir lernen müssen, für solche Dinge in besonderer Weise dankbar zu sein. Wenn Paul Gerhard in seinem berühmten Lied den Sommer lobt, dann tut er das auch aus einer besonderen Dankbarkeit heraus: Mitte des 17. Jahrhunderts war eine lange Zeit der Kälte vorüber. Über Jahrzehnte hinweg war es in ganz Europa ungewöhnlich kalt. Von September bis April herrschten Minustemperaturen, es gab nur sehr kärgliche Ernten und die Menschen litten unter Hunger. Die Tage und Wochen, an denen es warm und freundlich war, erschienen damals wie ein besonderer Segen des Himmels. „Schau an der schönen Gärten Zier und siehe wie sie mir und dir sich ausgeschmückt haben.“

Wenn wir in diesem Jahr ausreichend Regen haben, dann ist das auch ein Geschenk Gottes. Die Menschen in der Bibel wussten das von jeher, denn in ihrem Land war und ist Regen und Wasser immer etwas Besonderes. Das Lob des 65. Psalms kann uns ermutigen und anleiten, es den Gläubigen von damals gleichzutun. Wir können sehr froh sein, wenn unser Leben in solcher Weise behütet ist. Wir können sehr dankbar sein, wenn wir auch in der Gefahr immer wieder Gottes Segen unmittelbar erleben und spüren. Denn so wie die Natur mit dem Regen aufblüht, erfahren wir Kraft und Stärke in Gottes Zuwendung zu uns. Das führt uns zu einem der schönsten Sätze, den die Bibel bereithält. Am Ende des Psalmgebets heißt es:

Du krönst das Jahr mit deinem Gut, und deine Spuren triefen von Segen.

Eine schöne Sommerzeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Bernhard Winkler