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Angedacht

im November, 2021

Pferd auf Wiese

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Psalm 62,2

Novemberblues

Lange Zeit habe ich mich gefragt, was wohl mit meinem Pferd los ist. Jedes Jahr im Herbst verändert sich sein Verhalten. Wenn der kalte Wind kommt und die Bäume sich schwer im Wind wiegen, fängt er an, ängstlich und unsicher zu werden. Das war in jungen Jahren ganz schlimm. Da bin ich im November nicht mal vom Hof mit ihm gekommen. Ohren und Hals ganz hochgestellt, alle Muskeln angespannt, die Nüstern weit gebläht. So stand er da und weigerte sich, auf dem schmalen Weg über die Straße auf den Klosterberg zu gehen.

Ich habe mir folgende Erklärung überlegt: Mein Pferd ist in der Nähe von Cuxhaven auf einer sogenannten Maschwiese großgeworden. So eine Wiese grenzt ans Meer. Wenn im Herbst die Winde kommen, drückt das Meer auf die Wiesen. Wahrscheinlich hat mein Pferd mal so eine Flut erlebt, bei der er über Tage im Wasser stand. Das hat sich ihm ins Gedächtnis gesetzt. Und bis heute hat er seinen Novemberblues.

Bleibt die Frage: Was kann man dagegen tun? Reichlich wenig. Wenn die Seele ins Abseits kippt, helfen in der Regel keine guten Ratschläge. Es gibt nur einen Weg, mit dieser inneren Not fertig zu werden: Geduld. Das klingt nach wenig, aber es kann so viel sein. Denn Geduld ist ja eine Sache, die man sich auferlegen muss, die wie Warten und Zuschauen eher passiv, ohne eigenes Zutun geschieht. Geduld ist eine sehr schwere Übung. Sicher, es gibt Menschen, denen fällt das leichter. Die haben eine gewisse innere Ruhe, die können sich zurücknehmen und auch die innere Balance mal sich entwickeln lassen.

Leider gehöre ich nicht dazu. Und das macht es mir und meinem Pferd oft schwer. Dazu kommt, dass wahrscheinlich nicht nur mein Pferd diesen Blues hat. Habe ich ihn auch? Die kalte Jahreszeit hat ihre Reize, aber nicht im Übergang. Und bei den gegenwärtigen Heizkosten – die ja noch zu bezahlen sind – wird man erst recht depressiv! Wenn man doch mit sich selber auch geduldig sein könnte – warten, dass sich die Stimmung aufhellt. Die Stille und die Tiefe einmal annehmen, vielleicht sogar genießen? Ja, bei mir ist jetzt alles in einen Nebel gehüllt, ich hab weniger Energie, das Wetter macht mir manchmal Angst, ich traue mich nicht mal auf die Wege, die mir eigentlich vertraut sind.

Im Psalm 62 heißt es am Anfang: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Und etwas später: Sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung.

Stille und Geduld müssen nicht leer und wertlos sein. Sie können einen neuen Weg eröffnen, gerade wenn der alte sich verschließt. Stille hin zu Gott – da ist eine Richtung gegeben, da bleibt ein Gegenüber, eine Sehnsucht und ein Gebet. Stille zu Gott ist eine Haltung, die sich dem Blues entgegenstellt. Dieser Psalm ermutigt zum Abwarten, zu geduldigem Stillsein. Gott ist und bleibt auf unserer Seite. Er errettet unsere Seele aus dem Wind der Verwandlung, aus dem Nebel des Vergehens. Gott bleibt unsere Hoffnung, auch wenn sich in uns alles sträubt. Gott macht aus dem Blues eine Melodie, die sich aus dem Herbststurm erhebt und uns leise und sanft wiegt.

Ehrlich gesagt, ich habe schon überlegt, ob ich meinem Pferd mal so ein melancholisches Lied vorspielen soll? Zum Beispiel „November Rain“ von Guns ‘n Roses. Oder „November Blues“, ein echt entspanntes Klavierstück von Diemtar Steinhauer. Vermutlich wird das nichts nützen. Aber ich selber kann mir das anhören. Es wird mir helfen meine Seele in Stille und Geduld zu üben. Daraus kann sich eine gute Lösung ergeben: Einfach in die Reithalle gehen und die kalten Winde draußen lassen. Das gibt Sicherheit und Entspannung. Daraus erwächst die berechtigte Hoffnung, dass auch dieser November samt seinem Blues vorübergeht.

Gönnen Sie sich und Ihrer Seele diese Zeit der Stille. Wir haben von Gott die Zusage, dass er uns trägt.

Es grüßt Sie herzlich Ihr
Pfarrer Bernhard Winkler

Angedacht

im Oktober, 2021

Schlafende Person auf Wiese

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Hebr. 10,24 (L)

Was muss ich tun, um einen gnädigen Gott zu haben? Der Versuch, Gott durch Opfer gnädig zu stimmen, muss kläglich scheitern. Auf dieses Dilemma wird im Hebräerbrief im 10. Kapitel hingewiesen.

Was muss ich tun für einen Gott, der mir wohlgesonnen ist, damit ich „in den Himmel komme“?

Lebe ich mein Leben fromm genug, dass ich die Liebe Gottes verdiene? Das war eine der Fragen, die Martin Luther umgetrieben haben und vieler anderer mit ihm. Oft erlebe ich im Gespräch mit Trauernden, dass man nur das positive aus dem Leben des Verstorbenen erzählt, die guten Taten. „Er/sie war immer für andere aufopferungsvoll da.“ Manchmal spüre ich die Scheu das ganze Leben zu erzählen, mit seinen Licht- und Schattenseiten.

Ich versuche dann zu entgegnen: Wir müssen Gott nicht gnädig stimmen, denn wir können davon ausgehen, dass er es ist.

Es gilt, dass mit Jesus Christus alles geschehen ist und Gott dem Menschen seine Gnade zugewandt hat.

Aber: Was ist noch zu tun, wenn alles schon getan ist?

Es gibt im Hebräischen ein Wort, das es in sich hat: hineni, auf Deutsch „hier bin ich“. „Hineni“ – der wohl mächtigste Ausdruck, den die hebräische Sprache für die Aufmerksamkeit und Bereitschaft kennt, eine Aufgabe mit Hingabe zu übernehmen.

„Hier bin ich!“ Mose und Abraham antworten mit diesem Wort auf den Ruf Gottes.

Und Gott selbst sagt sich uns zu. „Ich bin da – ich bin für dich da!“ Ein größeres Geschenk kann er uns nicht machen. Jesus Christus hat sich dafür hingegeben. „Ich bin für dich da!“ Es braucht nur unser Vertrauen, ihm im Gebet zu antworten: „Hier bin ich.“ Wo wir so zueinanderfinden, tauche ich in Gottes Barmherzigkeit ein. Und dann verändern sich die Dinge im Leben …

Die Perspektive hat sich geändert: Ich muss nicht mehr nur auf mich schauen, sondern kann meinen Blick frei werden lassen für andere Menschen: Lasst aufeinander acht haben.

DU HERR, mein Gott,
Hineni – hier bin ich,
DU kennst mich beim Namen.
DIR bin ich nicht egal

Ihr Diakon Günther Tischer

Angedacht

im August / September, 2021

Saftiges Kornfeld

„Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide!“

Die Worte von Paul Gerhard haben mich auf einem Spaziergang begleitet. Alles scheint momentan in besonders leuchtenden Farben. Und dazu der viele Regen, der dem Grün immer neuen Treibstoff und Antrieb gibt. Man kommt ja kaum noch mit dem Rasen mähen hinterher, so sehr sprießt es überall. Auf den Feldern reift das Getreide mit großer Kraft, und wenn man in die Wälder schaut, sieht man kaum braune Stellen, sondern nur kräftiges Grün.

Die vergangenen extrem trockenen Jahre sind vergessen. Manch einer stöhnt schon unter dem unablässigen Regen, der uns seit Frühjahr begleitet. Für die Landwirtschaft besteht die Gefahr, dass sich Schimmelpilze bilden. Außerdem ist noch nicht alles Heu eingebracht, weil es nach dem Schneiden erst trocknen muss. Die Gartenbesitzer hingegen freuen sich, weil sie nicht wie in der Vergangenheit ständig gießen müssen. Der Regen hält den Garten frisch.

Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle. Du lässt ihr Getreide gut geraten; denn so baust du das Land. Psalm 65,10

Während wir seit vielen Monaten mit den Gefahren der Pandemie und möglichen oder nötigen Maßnahmen dagegen beschäftigt sind, zeigt uns die Natur ihr anderes Gesicht: Leben blüht auf, wächst in Hülle und Fülle, schenkt Reichtum, Zukunft und Sicherheit. Sogar die Insekten scheinen zurückzukommen, und in den vielen Blumenwiesen, die an den Feldern und um die Häuser blühen, tummeln sich Bienen und Hummeln. Der Vogelgesang zeugt von zahlreichen Populationen, an den Vogelgetränken herrscht morgens und abends reger Betrieb.

Mit dem Klimawandel werden wir lernen müssen, für solche Dinge in besonderer Weise dankbar zu sein. Wenn Paul Gerhard in seinem berühmten Lied den Sommer lobt, dann tut er das auch aus einer besonderen Dankbarkeit heraus: Mitte des 17. Jahrhunderts war eine lange Zeit der Kälte vorüber. Über Jahrzehnte hinweg war es in ganz Europa ungewöhnlich kalt. Von September bis April herrschten Minustemperaturen, es gab nur sehr kärgliche Ernten und die Menschen litten unter Hunger. Die Tage und Wochen, an denen es warm und freundlich war, erschienen damals wie ein besonderer Segen des Himmels. „Schau an der schönen Gärten Zier und siehe wie sie mir und dir sich ausgeschmückt haben.“

Wenn wir in diesem Jahr ausreichend Regen haben, dann ist das auch ein Geschenk Gottes. Die Menschen in der Bibel wussten das von jeher, denn in ihrem Land war und ist Regen und Wasser immer etwas Besonderes. Das Lob des 65. Psalms kann uns ermutigen und anleiten, es den Gläubigen von damals gleichzutun. Wir können sehr froh sein, wenn unser Leben in solcher Weise behütet ist. Wir können sehr dankbar sein, wenn wir auch in der Gefahr immer wieder Gottes Segen unmittelbar erleben und spüren. Denn so wie die Natur mit dem Regen aufblüht, erfahren wir Kraft und Stärke in Gottes Zuwendung zu uns. Das führt uns zu einem der schönsten Sätze, den die Bibel bereithält. Am Ende des Psalmgebets heißt es:

Du krönst das Jahr mit deinem Gut, und deine Spuren triefen von Segen.

Eine schöne Sommerzeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Bernhard Winkler