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Angedacht

im Mai, 2022

Zahnräder

„Der wird uns trösten in unserer Arbeit und der Mühsal unserer Hände.“ 1. Mose 5,29

Es wird Zeit, dass es wieder bergauf geht. Zwei verlorene Jahre liegen hinter uns. Corona hat vieles unmöglich gemacht – das ist jetzt vorbei!

Denn „jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt!“

Der Hit von der Musikgruppe Geiersturzflug aus den 80er Jahren ist sinnbildlich: Die Krise ist überwunden, Entbehrungen und Einschränkungen zahlen sich aus. Wir haben was davon, dass wir uns an all die Regeln und Beschränkungen gehalten haben.

So haben sich das auch die Menschen am Anfang der Bibel gedacht. Weil Adam und Eva im Paradies Mist gebaut hatten, wurden sie von Gott vor die Tür gesetzt. „Im Schweiße deines Angesichts“ sollten sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Und die Frauen sollten unter Schmerzen gebären. Super! So sieht es eben aus – vor der Tür des Paradieses.

Und so packen wir an und rackern uns ab und legen uns rein. Manchmal möchte man staunen, was Menschen alles leisten können. Beruf, Familie, Hobbys – und immer alles gleichzeitig. Keine Mühe scheuen und immer alle mitnehmen. Keiner will sich die Blöße geben. Jeder will ein Stück vom Kuchen.

„Der wird uns trösten in unserer Arbeit und der Mühsal unserer Hände.“ (1.Mose 5,29)

Die Rede ist hier von Noah. Noah ist der, der mit der Arche die Sintflut überleben wird. Er baut und bastelt an dem Super-Boot, ganz nach dem Plan Gottes. Alles läuft, auch wenn der gute Noah gar nicht recht weiß, was er von Gottes Absicht halten soll, so eine Sintflut zu schicken.

Der Trost des Noah ist die Aussicht, dass Gott treu ist. Denn Noah glaubt an Gott. Er fragt nicht nach dem Paradies, er fragt nach dem, der es trägt. Noah will nicht aus der Arbeit aussteigen, er will in seiner Arbeit Stärkung und Trost erfahren. Er will nicht frei von Problemen und Herausforderungen sein. Er möchte das, was vor ihm liegt, gut schaffen.

Somit ist es nicht Noah alleine, der tröstet. Es ist Gott selber. Darauf können wir in gleicher Weise zurückgreifen. Wenn eine Katastrophe kommt, oder sie sich wiederholt oder uns gar nicht mehr loslässt, dann wissen wir: Gott ist bei uns. Er lässt uns nicht untergehen. So wie er Noah nicht hat untergehen lassen. Arbeit und Mühsal sind erträglich, weil Gott uns trägt.

Wenn wir in die Hände spucken, dann gibt Gott heimlich seinen Segen dazu. Ob das dem Bruttosozialprodukt zuträglich sein wird, bleibt fraglich. Aber uns wird es fraglos zuträglich sein.

Bleiben Sie wohlbehalten.
Ihr Pfarrer Bernhard Winkler

Angedacht

im April, 2022

Pferd auf Wiese

… ich zog ihn auf als Stolz und Freude meiner alten Tage.

Wer wagt es, ihm die Waffe in die Hand zu drücken, Damit er einer anderen Mutter teures Kind erschießt?

Es ist die höchste Zeit, die Waffen fortzuwerfen. Es könnte niemals einen Krieg mehr geben, wenn alle Mütter in die Welt es schreien würden:

„Ich habe meinen Sohn zum Krieger nicht erzogen!“

Die Pieta auf der Abbildung oben steht in der Rummelsberger Philippuskirche im Nordeingang. Sie entstand kurz nach dem 1. Weltkrieg und spiegelt das Grauen dieses Krieges wider.

Keine schöne Figur, eher erschreckend, wenn man sie im ersten Augenblick betrachtet. Sie stand bis zur Renovierung in der Krypta der Kirche. Keine liebliche Figur, sondern eine Frau mit aschfahlem Gesicht, deren Blick ins Leere geht, den toten Sohn hält sie in ihren Armen. Der Blick einer Mutter, die ihr Kind verloren hat.

Ein Karfreitagsbild, das man am liebsten auf den Dachboden wegstellen möchte. Es ist doch bald Ostern und am Ostermorgen kommt Maria von Magdala zu den Jüngern. Sie verkündet ihnen: “Ich habe den Herrn gesehen.“ Und sie berichtet ihnen, was er ihr gesagt hat. (Johannes 20,18)

Es ist doch bald Ostern, da wäre ein Frühlingsbild doch passender. Ein Bild der Hoffnung, ein Bild des Auferstandenen. Ein Hoffnungsbild. Doch heute sehe ich im Fernsehen andere Bilder. Bilder, die mich nicht loslassen, von weinenden Frauen, deren Kinder zerbombt werden. Von Städten, die zerstört werden, von Männern aus deren Mündern die Lüge spricht, die Verhandlungsbereitschaft heucheln und weiter morden. Da fällt der Blick auf Ostern schwer. In den letzten Tagen höre ich oft von Menschen, dass sie sich hilflos und machtlos fühlen. Und doch sehe ich auch die große Solidarität, große Hilfsbereitschaft. Das Aufbegehren mutiger Menschen in Moskau, St. Petersburg und anderen Städten Europas gegen diesen Krieg. Das sind für mich österliche Zeichen gegen Tod und Zerstörung, Zeichen gegen die Machtlosigkeit, Zeichen für Hoffnung.

Da spüren Menschen, dass Unmenschliches geschieht in diesem Krieg und sie schweigen nicht. Da sind Menschen in Russland, Mütter, Väter junge und alte Menschen, die trotz Sanktionen und Strafen auf die Straße gehen. Meine österliche Hoffnung ist es, dass wir mit diesen Menschen irgendwann einmal in Zukunft Ostern feiern.

Ich bin mir sicher, dass vielen Müttern und Vätern der Text auf der ersten Seite aus dem Herzen spricht. Am 23. Februar 1915 mitten im 1. Weltkrieg erschien er in einer österreichischen Zeitung. In der Nacht vom 23. Februar 2022 begann der Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Es sind Hoffnungsworte für eine Welt, in der Friede herrscht, wo der Auferstandene Jesus zu uns spricht: Friede sei mit euch.

Ja, wir mögen hilflos sein, aber wir vertrauen auf die Hilfe dessen, der Himmel und Erde geschaffen hat. Dem wir unsere Herzen öffnen, damit von dort der Friede in die Welt geht.

Der Friede Gottes, der unser aller Begreifen übersteigt, bewahre unsere Herzen und unsere Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus. Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Günter Tischer

Angedacht

im März, 2022

Pferd auf Wiese

„Jetzt ist die Zeit!“ Markus 1,15

43 Jahre ist es her, dass der Kirchentag der Evangelischen Christen in Deutschland zu Gast in Nürnberg war: 1979 war das. Das Motto lautete seinerzeit: „Zur Hoffnung berufen“. Es war eine aufregende und aufreibende Zeit Ende der 70er. Der Terrorismus hatte unser Land verändert, die Bedrohung durch die immer größer werdenden Waffenarsenale in Ost und West machten vielen Angst und die Nutzung der Atomenergie war schon zu ihrem Beginn sehr umstritten. Die Botschaft der Hoffnung lockte erstmals über 120.000 Menschen zum Schlussgottesdienst auf den Luitpoldhain. Es wurde heftig über die Rolle von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften gestritten und der Star der Tage war die aufrührerische Theologin Dorothee Sölle, die aus New York angereist kam.

Im kommenden Jahr wird der Kirchentag wieder in Nürnberg zu Gast sein. Diesmal lautet das Moto: „Jetzt ist die Zeit!“ – und alle fragen sich: Werden wir wie 2021 alles per Livestream über den Computer anschauen müssen? Oder treffen wir uns persönlich? Dass der Kirchentag eine große Chance sein wird, steht für viele außer Frage: Die politischen Themen liegen auf der Hand: Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung müssen noch immer neu formuliert und gefordert werden, der ökumenische Dialog mit der Katholischen Kirche braucht dringend Impulse, die eigene Zukunft der Kirchen steht auf dem Prüfstand.

Es liegt also an uns, was wir draus machen: Tragen wir das Format der großen evangelischen Treffen langsam zu Grabe, oder packen wir die Gelegenheit beim Schopf? „Jetzt ist die Zeit!“ – das trifft uns mitten hinein ins Herz. Denn wir haben es in der Hand, was aus uns und dieser Welt wird. Und – das ist der Hintergrund dieses Bibelwortes – Gott lässt uns nicht im Stich. Er steht bereit, er kommt, ganz real, als Menschen, als Sohn, als Jesus von Nazareth. Er kommt, denn: „Jetzt ist die Zeit!“ für neue Hoffnung. Nürnberg kann diesen Impuls setzen, für uns Christen und weit darüber hinaus. Nächstes Jahr ist es möglich, den Gemeinden, den Kirchen, ja allen Menschen ein Zeichen zu geben: Kirche kann Zukunft! Kirche hat Kraft! Kirche ist da!

Es wird viel Mut brauchen, um den Kirchentag im kommenden Jahr so zu gestalten, dass er wirklich Wirkung erzielt. Es wird vor allem Menschen brauchen, die sich da hinbegeben, die mitmachen, die vor allem den Mund aufmachen. Als Jesus als Kind in diese Welt geboren wurde, da war klar: Gott schweigt nicht. Gott schickt sein lebendiges Wort. Hier hat einer was zu sagen. Jesus ist die Ansage Gottes an die Welt, die noch immer seine ist.

Sagen wir das doch einfach weiter. Sagen wir es und geben der Welt neue Hoffnung. Wann wäre es besser, als jetzt? Jetzt! Denn:

„Jetzt ist die Zeit!“

Es grüßt Sie herzlich Ihr
Pfarrer Bernhard Winkler

Angedacht

im Februar, 2022

Pferd auf Wiese

Wenn ihr euch über jemanden ärgert, sollt ihr nicht sündigen. Ihr sollt euch wieder vertragen, bevor die Sonne untergeht. Epheser 4,26

Seit dem 2. Weltkrieg beten die Rummelsberger Brüder das Wochenschlussgebet. Diese Gebetsgemeinschaft verbindet seit damals die Brüder und ihre Frauen, egal wo sie auch immer gerade sind: Jede Woche wird an alle gedacht, die Geburtstag haben, die krank sind oder ein besonderes Gebetsanliegen haben. Ein für mich wichtiger Teil in der Liturgie ist die gegenseitige Schuldvergebung:

„Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und euch, Schwestern und Brüder, dass ich gesündigt habe mit Gedanken, Worten und Werken. Ich bin vor Gott und den Menschen schuldig geworden, bewusst und unbewusst, im Bösen, das ich getan und im Guten, das ich unterlassen habe. Darum bitte ich euch, betet für mich zu Gott, unserem Herrn.

Der allmächtige Gott erbarme sich deiner, und vergebe dir deine Sünde und führe dich zum ewigen Leben.“

Bevor die Sonne untergeht, lege ich, all das Belastende, was zwischen uns steht ab.

„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“

Oft vergessen wir bei dieser Bitte im Vaterunser gerne die zweite Satzhälfte. Schuld sind immer die anderen: Bill Gates, der Russe, der Chinese, die Juden, die Christen, die Muslime, Eva, die mit dem Apfel …

Im folgenden Versöhnungsgebet von Coventry geht es darum, nicht mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, sondern die eigenen Anteile hinzulegen und um Vergebung zu bitten. „Besserwisser und sogenannte Querdenker“ auf der Straße tun das nicht! Zumindest habe ich dies noch auf keinem Plakat gesehen. Schon gar nicht die Bitte um die eigene Vergebung:

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,
Vater, vergib.
Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist,
Vater, vergib.
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,
Vater, vergib.
Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen,
Vater, vergib.
Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,
Vater, vergib.
Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,
Vater, vergib.
Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,
Vater, vergib.

Vielleicht wäre es ja eine Hilfe mit diesem Gebet erstmal an einem stillen Ort in sich zu gehen, sich zu prüfen, was mich davon berührt und angeht - um dann den Blick durch das Herz nach außen zu richten. Vielleicht wäre die Welt dann etwas freundlicher.

Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4,32)

Günter Tischer

Angedacht

im Januar, 2022

Pferd auf Wiese

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Johannes 6,37

„Jetzt hau endlich ab! Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben!“

Peng, die Tür knallt ins Schloss.

Da steh ich nun, ratlos, müde und ganz allein.

„He, ich dachte, wir wären Freunde?“ ruf ich noch, aber es kommt keine Antwort mehr.

Ich überlege, zu wem ich jetzt gehen könnte?

Peter, Peter ist ein ruhiger Typ. Aber seine Schwester hat gesagt, er sei verreist. Dabei ist der Peter noch nie alleine irgendwo hin gefahren.

Daniel liegt krank im Bett. Das sagt zumindest seine Mutter. Aber gestern Abend habe ich ihn noch in der Stadt gesehen.

Thomas ist angeblich nicht zu Hause. Auf jeden Fall hat keiner die Tür aufgemacht. Aber Licht hat gebrannt, und ich habe gesehen, wie die Gardine gewackelt hat.

Tja, und jetzt auch noch Michael. Haut mir einfach die Tür vor der Nase zu.

Schöne Freunde sind das, echt schöne Freunde. Waren auf jeder Party mit dabei, haben sich von mir einladen lassen. Und nur, weil ich pleite bin, bin ich ihnen nichts mehr wert. „Hau ab!“

Was mach ich nun? Ich könnte ja nach Hause gehen, zu meiner Familie. Aber, nein, das mache ich nicht. Da schäme ich mich zu sehr. Und außerdem, warum sollten ausgerechnet meine Eltern mir die Tür aufmachen?

Ich hab mich schlecht benommen. Ich wollte ja nur ihr Geld. Hab mir die Taschen voll gestopft und bin abgehauen. Ohne Gruß, hab einfach die Tür hinter mir zugeknallt.

Ne, die machen mir nicht auf. Also, wenn ich an ihrer Stelle wäre, ich würde das nicht machen! Aber meine Eltern sind ja nicht so wie ich. Sie sind gütig, sie sind lieb. Sie sind irgendwie besser.

Ich gehe los. Meine Eltern wohnen am andern Ende der Stadt. Ich gehe ganz langsam, ich will gar nicht ankommen. Aber dann stehe ich vor der Tür. Die Tür zu meiner Familie. Es brennt Licht. Sie sind da.

Im Fenster sehe ich meinen Bruder! O weh, er wird mich hassen. Und ich höre Stimmen. Die Tür ist vor mir, sie will sich öffnen. Aber wie?

Zaghaft klopfe ich, fast unmerklich. Ich drehe mich um, will wieder gehen. Aber die Tür geht auf. Ich spüre den Schatten hinter mir. Mein Bruder: „Was willst du denn hier? Wir brauchen dich nicht mehr. Verschwinde.“

Nur kurz sehe ich ihn. Dann macht es peng. Die Tür knallt zu. Ich wusste es, es war falsch. Ich hatte mein Leben verdorben, und das war nun die gerechte Strafe. Tür zu, Licht aus. Ende.

Ich gehe den Weg und gehe ins Nichts. Wieder höre ich Stimmen aus dem Haus. Streng klingen sie, mein Bruder und mein Vater. Und dann höre ich die Tür. Sie geht auf. Ich gehe weiter, ich bleibe nicht stehen.

„Mein Sohn!“ Warm, liebevoll, sehnsüchtig ruft mein Vater. Ich sehe mich um: Da ist er, mein Vater, mit offenen Armen in der offenen Tür.

Er kommt zu mir, seine Arme umschließen mich. Er hält mich und nimmt mich mit ins Haus. Die Tür schließt sich hinter uns. Am Ende des Gangs ist mein Bruder. Er sieht enttäuscht aus. Er geht in sein Zimmer, doch er lässt die Tür einen Spalt offen. Jetzt weiß ich, dass auch die Tür zu seinem Herzen offen ist.

„Mein Sohn“, sagt mein Vater, „wir wollen feiern! Ich bin unzählige Male zur Tür gegangen, weil ich dachte, du würdest davor stehen. Und heute ist es geschehen. Wir laden alle Freunde ein und feiern. Du darfst auch deine Freunde einladen.“

„Freunde?“ antworte ich, „Freunde habe ich keine.“

„Doch!“ sagt mein Vater, „jeder, der durch diese Tür kommt, ist dein Freund.“

Viele offene Türen - für Sie und bei Ihnen - das wünsche ich Ihnen für dieses neue Jahr.

Es grüßt Sie herzlichst Ihr
Pfarrer Winkler

Angedacht

im Dezember, 2021

Pferd auf Wiese

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. Sacharja, 14

Haben Sie schon Ihren Wunschzettel geschrieben? Oder sind gar schon alle Geschenke eingepackt, in weiser Voraussicht – weil es ja in der Adventszeit eng werden könnte, weil es nicht mehr lieferbar ist, weil …

Mein Wunsch wäre für die Adventszeit: Wieder miteinander Gottesdienste zu feiern, sich mit Freunden zu treffen, den Enkelkindern ohne Angst vor gegenseitiger Ansteckung zu begegnen.

„Hinter uns liegen niederdrückende Zeiten“, so wünschte ich diese Zeilen zu formulieren. Schluss mit den Negativschlagzeilen. Keine Diskussionsrunde zu Corona, kein 57 igstes update zu den neuesten Regeln, keine negativen Nachrichten von Menschen auf der Flucht, kein Blahblah von der Klimakonferenz …

Die Adventszeit schlägt neue Töne an, so mein stiller Wunsch. Früher war sie eine Buß- und Fastenzeit. Fastentage wurden eingelegt. Die Orgel verstummte. Zeit zum Nach-Denken. Zum Stille sein. So wie der Baum, dessen Blätter am herbstlichen Boden liegen, einfach Da-sein. Und zu wissen, dass die Knospen da sind, das Licht der Sonne da ist, auch wenn die Tage kürzer und dunkler werden. Für die Natur braucht es diese Zeit des Ausruhens. Vielleicht sollte ich mal darüber nachdenken, dass auch ich ein Teil dieser Schöpfung bin.

Heutzutage ist Advent eine Zeit, auf die wir uns freuen. Auf den Marktplätzen duftet es nach Zimt, Sternanis und Glühwein. Lichterketten und Kerzen schmücken die Wohnung. Und draußen glitzern die Häuser mit tausend Lichtern. Und sind wir Adventsskeptiker, die alles schon so oft erlebt haben, so stecken uns die Kinder aufs Neue mit ihrer Vorfreude an. Aber bei all dem, was uns das Herz erwärmt, ist das Wichtigste die Hoffnung.

Eindringlich spricht der Prophet Sacharja zu uns. Obwohl er selbst schwere Zeiten erlebt, sieht er nicht zurück. Er vergräbt sich nicht in Groll, Bitternis und Klagen. Er überlässt die Zukunft nicht der Angst. Hoffnung heißt sein Lebensmotto. Denkt daran: Gott hat uns nicht vergessen. Gott schenkt uns neuen Mut, auch mitten in dunkler Zeit. Es gibt einen viel größeren Raum als mein kleines Leben. „Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR“, sagt Sacharja.

Erwartet das Heil von keiner Weltmacht, von keiner Großmacht! „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin …

Der Kriegsbogen soll zerbrochen werden …

Er wird Frieden gebieten den Völkern.“ Gott will in euer Herz einziehen. Er will eure Niedergeschlagenheit, euren Pessimismus und euren Groll mit Freundlichkeit besiegen.

Frohe Weihnachten.
Ihr Diakon Günter Tischer

Angedacht

im November, 2021

Pferd auf Wiese

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Psalm 62,2

Novemberblues

Lange Zeit habe ich mich gefragt, was wohl mit meinem Pferd los ist. Jedes Jahr im Herbst verändert sich sein Verhalten. Wenn der kalte Wind kommt und die Bäume sich schwer im Wind wiegen, fängt er an, ängstlich und unsicher zu werden. Das war in jungen Jahren ganz schlimm. Da bin ich im November nicht mal vom Hof mit ihm gekommen. Ohren und Hals ganz hochgestellt, alle Muskeln angespannt, die Nüstern weit gebläht. So stand er da und weigerte sich, auf dem schmalen Weg über die Straße auf den Klosterberg zu gehen.

Ich habe mir folgende Erklärung überlegt: Mein Pferd ist in der Nähe von Cuxhaven auf einer sogenannten Maschwiese großgeworden. So eine Wiese grenzt ans Meer. Wenn im Herbst die Winde kommen, drückt das Meer auf die Wiesen. Wahrscheinlich hat mein Pferd mal so eine Flut erlebt, bei der er über Tage im Wasser stand. Das hat sich ihm ins Gedächtnis gesetzt. Und bis heute hat er seinen Novemberblues.

Bleibt die Frage: Was kann man dagegen tun? Reichlich wenig. Wenn die Seele ins Abseits kippt, helfen in der Regel keine guten Ratschläge. Es gibt nur einen Weg, mit dieser inneren Not fertig zu werden: Geduld. Das klingt nach wenig, aber es kann so viel sein. Denn Geduld ist ja eine Sache, die man sich auferlegen muss, die wie Warten und Zuschauen eher passiv, ohne eigenes Zutun geschieht. Geduld ist eine sehr schwere Übung. Sicher, es gibt Menschen, denen fällt das leichter. Die haben eine gewisse innere Ruhe, die können sich zurücknehmen und auch die innere Balance mal sich entwickeln lassen.

Leider gehöre ich nicht dazu. Und das macht es mir und meinem Pferd oft schwer. Dazu kommt, dass wahrscheinlich nicht nur mein Pferd diesen Blues hat. Habe ich ihn auch? Die kalte Jahreszeit hat ihre Reize, aber nicht im Übergang. Und bei den gegenwärtigen Heizkosten – die ja noch zu bezahlen sind – wird man erst recht depressiv! Wenn man doch mit sich selber auch geduldig sein könnte – warten, dass sich die Stimmung aufhellt. Die Stille und die Tiefe einmal annehmen, vielleicht sogar genießen? Ja, bei mir ist jetzt alles in einen Nebel gehüllt, ich hab weniger Energie, das Wetter macht mir manchmal Angst, ich traue mich nicht mal auf die Wege, die mir eigentlich vertraut sind.

Im Psalm 62 heißt es am Anfang: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Und etwas später: Sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung.

Stille und Geduld müssen nicht leer und wertlos sein. Sie können einen neuen Weg eröffnen, gerade wenn der alte sich verschließt. Stille hin zu Gott – da ist eine Richtung gegeben, da bleibt ein Gegenüber, eine Sehnsucht und ein Gebet. Stille zu Gott ist eine Haltung, die sich dem Blues entgegenstellt. Dieser Psalm ermutigt zum Abwarten, zu geduldigem Stillsein. Gott ist und bleibt auf unserer Seite. Er errettet unsere Seele aus dem Wind der Verwandlung, aus dem Nebel des Vergehens. Gott bleibt unsere Hoffnung, auch wenn sich in uns alles sträubt. Gott macht aus dem Blues eine Melodie, die sich aus dem Herbststurm erhebt und uns leise und sanft wiegt.

Ehrlich gesagt, ich habe schon überlegt, ob ich meinem Pferd mal so ein melancholisches Lied vorspielen soll? Zum Beispiel „November Rain“ von Guns ‘n Roses. Oder „November Blues“, ein echt entspanntes Klavierstück von Diemtar Steinhauer. Vermutlich wird das nichts nützen. Aber ich selber kann mir das anhören. Es wird mir helfen meine Seele in Stille und Geduld zu üben. Daraus kann sich eine gute Lösung ergeben: Einfach in die Reithalle gehen und die kalten Winde draußen lassen. Das gibt Sicherheit und Entspannung. Daraus erwächst die berechtigte Hoffnung, dass auch dieser November samt seinem Blues vorübergeht.

Gönnen Sie sich und Ihrer Seele diese Zeit der Stille. Wir haben von Gott die Zusage, dass er uns trägt.

Es grüßt Sie herzlich Ihr
Pfarrer Bernhard Winkler

Angedacht

im Oktober, 2021

Schlafende Person auf Wiese

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Hebr. 10,24 (L)

Was muss ich tun, um einen gnädigen Gott zu haben? Der Versuch, Gott durch Opfer gnädig zu stimmen, muss kläglich scheitern. Auf dieses Dilemma wird im Hebräerbrief im 10. Kapitel hingewiesen.

Was muss ich tun für einen Gott, der mir wohlgesonnen ist, damit ich „in den Himmel komme“?

Lebe ich mein Leben fromm genug, dass ich die Liebe Gottes verdiene? Das war eine der Fragen, die Martin Luther umgetrieben haben und vieler anderer mit ihm. Oft erlebe ich im Gespräch mit Trauernden, dass man nur das positive aus dem Leben des Verstorbenen erzählt, die guten Taten. „Er/sie war immer für andere aufopferungsvoll da.“ Manchmal spüre ich die Scheu das ganze Leben zu erzählen, mit seinen Licht- und Schattenseiten.

Ich versuche dann zu entgegnen: Wir müssen Gott nicht gnädig stimmen, denn wir können davon ausgehen, dass er es ist.

Es gilt, dass mit Jesus Christus alles geschehen ist und Gott dem Menschen seine Gnade zugewandt hat.

Aber: Was ist noch zu tun, wenn alles schon getan ist?

Es gibt im Hebräischen ein Wort, das es in sich hat: hineni, auf Deutsch „hier bin ich“. „Hineni“ – der wohl mächtigste Ausdruck, den die hebräische Sprache für die Aufmerksamkeit und Bereitschaft kennt, eine Aufgabe mit Hingabe zu übernehmen.

„Hier bin ich!“ Mose und Abraham antworten mit diesem Wort auf den Ruf Gottes.

Und Gott selbst sagt sich uns zu. „Ich bin da – ich bin für dich da!“ Ein größeres Geschenk kann er uns nicht machen. Jesus Christus hat sich dafür hingegeben. „Ich bin für dich da!“ Es braucht nur unser Vertrauen, ihm im Gebet zu antworten: „Hier bin ich.“ Wo wir so zueinanderfinden, tauche ich in Gottes Barmherzigkeit ein. Und dann verändern sich die Dinge im Leben …

Die Perspektive hat sich geändert: Ich muss nicht mehr nur auf mich schauen, sondern kann meinen Blick frei werden lassen für andere Menschen: Lasst aufeinander acht haben.

DU HERR, mein Gott,
Hineni – hier bin ich,
DU kennst mich beim Namen.
DIR bin ich nicht egal

Ihr Diakon Günther Tischer

Angedacht

im August / September, 2021

Saftiges Kornfeld

„Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide!“

Die Worte von Paul Gerhard haben mich auf einem Spaziergang begleitet. Alles scheint momentan in besonders leuchtenden Farben. Und dazu der viele Regen, der dem Grün immer neuen Treibstoff und Antrieb gibt. Man kommt ja kaum noch mit dem Rasen mähen hinterher, so sehr sprießt es überall. Auf den Feldern reift das Getreide mit großer Kraft, und wenn man in die Wälder schaut, sieht man kaum braune Stellen, sondern nur kräftiges Grün.

Die vergangenen extrem trockenen Jahre sind vergessen. Manch einer stöhnt schon unter dem unablässigen Regen, der uns seit Frühjahr begleitet. Für die Landwirtschaft besteht die Gefahr, dass sich Schimmelpilze bilden. Außerdem ist noch nicht alles Heu eingebracht, weil es nach dem Schneiden erst trocknen muss. Die Gartenbesitzer hingegen freuen sich, weil sie nicht wie in der Vergangenheit ständig gießen müssen. Der Regen hält den Garten frisch.

Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle. Du lässt ihr Getreide gut geraten; denn so baust du das Land. Psalm 65,10

Während wir seit vielen Monaten mit den Gefahren der Pandemie und möglichen oder nötigen Maßnahmen dagegen beschäftigt sind, zeigt uns die Natur ihr anderes Gesicht: Leben blüht auf, wächst in Hülle und Fülle, schenkt Reichtum, Zukunft und Sicherheit. Sogar die Insekten scheinen zurückzukommen, und in den vielen Blumenwiesen, die an den Feldern und um die Häuser blühen, tummeln sich Bienen und Hummeln. Der Vogelgesang zeugt von zahlreichen Populationen, an den Vogelgetränken herrscht morgens und abends reger Betrieb.

Mit dem Klimawandel werden wir lernen müssen, für solche Dinge in besonderer Weise dankbar zu sein. Wenn Paul Gerhard in seinem berühmten Lied den Sommer lobt, dann tut er das auch aus einer besonderen Dankbarkeit heraus: Mitte des 17. Jahrhunderts war eine lange Zeit der Kälte vorüber. Über Jahrzehnte hinweg war es in ganz Europa ungewöhnlich kalt. Von September bis April herrschten Minustemperaturen, es gab nur sehr kärgliche Ernten und die Menschen litten unter Hunger. Die Tage und Wochen, an denen es warm und freundlich war, erschienen damals wie ein besonderer Segen des Himmels. „Schau an der schönen Gärten Zier und siehe wie sie mir und dir sich ausgeschmückt haben.“

Wenn wir in diesem Jahr ausreichend Regen haben, dann ist das auch ein Geschenk Gottes. Die Menschen in der Bibel wussten das von jeher, denn in ihrem Land war und ist Regen und Wasser immer etwas Besonderes. Das Lob des 65. Psalms kann uns ermutigen und anleiten, es den Gläubigen von damals gleichzutun. Wir können sehr froh sein, wenn unser Leben in solcher Weise behütet ist. Wir können sehr dankbar sein, wenn wir auch in der Gefahr immer wieder Gottes Segen unmittelbar erleben und spüren. Denn so wie die Natur mit dem Regen aufblüht, erfahren wir Kraft und Stärke in Gottes Zuwendung zu uns. Das führt uns zu einem der schönsten Sätze, den die Bibel bereithält. Am Ende des Psalmgebets heißt es:

Du krönst das Jahr mit deinem Gut, und deine Spuren triefen von Segen.

Eine schöne Sommerzeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Bernhard Winkler