Angedacht im Januar

„Suche Frieden“ – Jahreslosung 2019
Frieden – vom Friedhof bis zufrieden ist unsere Sprache von diesem einen Wort geprägt. Der Friede findet sich in vielen Variationen, mal als Friedensstifter aus der Bergpredigt, mal als Friedensapostel oder gar als Friedrich der Weise.

Bei so viel Frieden ist es verwunderlich, dass wir ihn als Zustand unter uns Menschen so sehr vermissen. Denn die Welt ist allenthalben wenig friedvoll. Liegt es daran, dass zu wenig Menschen friedliebend sind? Genügt es uns, den Friedensnobelpreis zu verleihen und auf bunte Fahnen „Pace“ drauf zu schreiben?

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ – so lautet die Jahreslosung für das Jahr 2019. Sicher kein Zufall, dass der Friede in den Fokus gerückt ist, wo doch der Krieg immer wahrscheinlicher wird. Der Krieg der Handelsmächte hat begonnen, der Krieg der IT-Unternehmen auch, der Krieg der Sterne begeistert sowieso und der Krieg als Computerspiel ist seit Jahren der Verkaufsschlager Nummer eins. Oder kennen Sie ein Friedensspiel? Wüssten Sie ein Beispiel, wo internationale Konzerne miteinander eine friedliche Vereinbarung zum Nutzen beider Seiten geschlossen hätten?

Suchet Frieden, ja Friede muss man wohl wirklich suchen – wie die Stecknadel im Heuhaufen. Menschen können Frieden wohl nur als Utopie, als Vorstellung verkraften. Im Sinne einer „friedvollen Weihnacht“, bei der dann die Fetzen fliegen und die Unfähigkeit zum Miteinander wieder mal alles zerstört. Wenn man doch bei Amazon was finden könnte, was Frieden wäre. Oder wenn das Sozialamt mal was auf die Beine stellen würde. Die Kirchen, wären die nicht eigentlich prädestiniert?

Frieden suchen, das muss was sehr kompliziertes sein. Denn Friede, das ist doch sowas wie Ausgleich zwischen allen. Da bekommt jeder was, oder? Frieden stelle ich mir vor wie Windstille, wie ein sanftes Licht, wie ein Duft voller Blumen und Blüten. Aber wenn ich zur Arbeit muss, dann sind da keine Blumen sondern Autos, und wenn ich das Licht im Büro anmache, dann leuchtet da eine Neonröhre. Und wenn ich mit meiner Arbeit nicht fertig werde, dann spüre ich sofort einen scharfen Gegenwind.

Frieden suchen, das ist nichts für uns. Frieden, den überlassen wir besser anderen. Jesus zum Beispiel: „Euren Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ Schwer zu sagen, was er mit „Euren Frieden“ meint? Die Sehnsucht? Egal, wir bekommen was, das ist die Hauptsache. Gottes Frieden, göttlichen Frieden, Friedenskuss und Friedenspalme. Der Friede sucht uns – nämlich auf. Wir werden zu einem Teil des Friedens. Friedensboten und Gotteskinder.

„Wer mich von ganzem Herzen sucht, von dem will ich mich finden lassen!“ spricht der Herr. So muss das mit dem Frieden auch sein. Denn nur bei Gott ist Friede möglich. Immerhin: möglich! Das sollte uns ermutigen. Friede ist möglich, so hat einmal Franz Alt in einem Buchtitel verkündet. Er meinte die Bergpredigt, mit der man mehr kann als nur über sie staunen. Friede ist möglich, dort wo wir das suchen, was Friede stiftet. Selig sind – Amen.

Ein friedvolles Jahr 2019
wünscht Ihnen Ihr
Pfarrer Bernhard Winkler

Die Bibel im Alltag