Angedacht im Juli

Und als er das gesagt hatte,
wurde er vor ihren Augen emporgehoben,
und eine Wolke nahm ihn auf,
weg vor ihren Augen.
Apostelgeschichte 1,9

„Engelein, Engelein – flieeeg!“ - Kinder lieben es, wenn sie durch die Luft gewirbelt werden. Beim Spazierengehen, auf der Schaukel oder in der Achterbahn: Es darf ruhig mal wild werden. Besonders schön ist es natürlich, wenn der Wirbel auf den Schultern von Papa oder Mama oder Opa (etc.) stattfindet. Da werden sogar aus großen Kindern wieder kleine.

Ein wenig der Erde enthoben sein, sich ganz auf die Kräfte anderer verlassen. In Schwung kommen ohne selber Schwung zu holen, daran haben wir große Freude. Es ist wie eine kleine Himmelfahrt, wie ein Los-lassen und Hinter-sich-lassen. Ein kurzes Urlaubsgefühl, dass den eigenen Körper in den Mittelpunkt rückt.

Denn darum geht es im Eigentlichen. In der Fachsprache bezeichnet man diese Situationen als „basale Stimulation“. Durch die äußere Anregung von Körperwahrnehmungen wird ein deutlicher Bezug zum eigenen Empfinden ausgelöst. Ich spüre mich, habe ein Glücksgefühl, mein Körper gibt mir Freude und Spaß.

Wenn man etwas weiter schaut, dann sind viele Urlaubsaktivitäten mit einer solchen Körpererfahrung verbunden. Zum Beispiel das Wandern, auch das Fahrradfahren. Am Meer das Surfen, oder wenn einer in ein Segelflugzeug steigt. Der Reiter macht sich abhängig von der Bewegung des Pferdes, und der Motorradfahrer erlebt die Kraft der Maschine, die seinen Körper gegen den Wind davonträgt. Manchmal sieht man auf Spielplätzen Erwachsene, die sich auf eine Schaukel setzen.

Die Jünger haben zu Beginn ihrer Zeit nach Jesus, also mit dem Pfingstfest, ihren Glauben in ähnlicher Weise erlebt. Die Himmelfahrt ist als Wolkenflug beschrieben. Als wäre Jesus ein frisch Verliebter, dem Flügel gewachsen sind. Aber vielleicht waren sie selber ja so verliebt, verliebt in die Gewissheit, dass Jesus lebendig ist, dass er für sie da ist, dass sein Geist sie beflügelt.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Urlaubszeit.

Finden Sie zu sich und schöpfen Sie Kraft.

Lassen Sie Ihren Glauben schweben, fliegen, kreisen.

Heben Sie ab – auf den Schultern Jesu.

Ihr Pfarrer Bernhard Winkler

Pfarrerin oder Pfarrer werden

Es gibt Berufe, die sind immer nachgefragt: Arzt, Feuerwehrmann oder Lehrer. Der Beruf eines Pfarrers oder einer Pfarrerin ist dagegen ziemlich out. Das scheint junge Menschen kaum anzusprechen.

Gründe gibt es genug dafür, auch wenn nicht immer alles stimmt, was so gedacht und gesprochen wird. Gibt es aber auch Gründe, die für diesen Beruf sprechen?

Das Aufgabenfeld eines Pfarrers hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert, so wie sich das Leben der Menschen insgesamt verändert hat. Eines ist aber geblieben: der persönliche Kontakt. Das ist das wichtigste. Die Begegnung von Mensch zu Mensch - auf Augenhöhe - in Respekt und Achtung.

Dazu kommt die besondere Situation. Denn es geht beim Pfarrer nicht selten um sehr entscheidende Momente: Der Beginn eines neue Lebens oder auch dessen Ende. Geburt und Tod, Anfang und Ende, damit hat man sehr viel zu tun. Und schließlich geht es um den Glauben, den eigenen wie den von anderen. Es ist eine dauernde Auseinandersetzung, ein sich immer neu fragen, immer neu Antworten versuchen, immer neu in Gemeinschaft treten und miteinander feiern.

Der Beruf des Pfarrer ist was für Spezialisten, die alles versuchen wollen. Es ist einer der letzten Berufe, der sich mit dem Alltag von Menschen beschäftig und dabei keine Ab- oder Ausgrenzungen vornimmt. In diesem Beruf ist immer alles möglich, sogar das Unmögliche. Wer gerne Achterbahn fährt, der ist hier richtig!

© Pfarrer Bernhard Winkler

Infos zu Ausbildung und Beruf erhalten Sie im Pfarramt oder unter
http://www.studienbegleitung-elkb.de

Die Bibel im Alltag