Angedacht im März

Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts. Epheser 5,8
Das Gemeindehaus war mal wieder zu klein. Gleich mehrere Veranstaltungen sollten an einem Abend stattfinden. Darum musste die Mädchengruppe mit bald über vierzig Kindern ausweichen. Das war aber kein Problem: Mittels der neuen Leinwand, die für die Kirche angeschafft wurde, konnte dort ein Kinoabend stattfinden. Weil danach noch etwas Zeit war, durften die Mädchen malen. So ist das Titelbild entstanden. Es ist ein Bild, das das Kreuz im Vorraum unserer Kirche zeigt. Aber über dem Kreuz ist eine weihnachtliche Stimmung zu sehen. Die Sterne, der blaue Himmel, die grelle Sonne, das möchte man eigentlich nicht zur Passion rechnen. Dafür ist Jesus sehr traurig. Dieser Jesus ist wirklich am Kreuz gestorben.

Das Bild wurde zu einer Zeit gemalt, da noch der Weihnachtsbaum in der Kirche stand. Darum hat das Kind diese beiden Eindrücke miteinander verbunden. Das ist sehr klug gewesen, denn das ist ja der Bogen, den unser Glaube immer wieder nimmt: Von der Geburt des Heilands hin zu seinem Tod am Kreuz. Immer wieder, Jahr für Jahr gehen wir diesen Weg, nehmen wir das eine Bild mit zum anderen.

Jetzt sind beide Bilder zusammen. Und ich finde es beeindruckend: Die Traurigkeit des Todes verbunden mit dem Licht der Geburt, mit den Sternen der Freude, mit der Sonne des Lebens. Im Epheserbrief werden diese beiden Bilder auch miteinander verschmolzen: Wir waren Finsternis, aber jetzt sind wir Kinder des Lichts. Das Dunkle holt uns immer wieder ein, aber das Licht bleibt unbesiegbar.

Darum können wir die Passionszeit auch feiern. Wir feiern Gottes Sieg, seine Überwindung der Finsternis, oder besser: unserer Finsternis. Wir sehen Jesus, er ist traurig. Aber das Licht hüllt alles in eine neue Dimension: Gott bleibt bei seinem Sohn, er wird auferstehen. Das Licht des Ostermorgens leuchtet hell und klar – auch über dem Kreuz. Wie gut, das unser Gemeindehaus manchmal zu klein ist.

Eine gesegnete Passionszeit wünscht Ihnen Ihr
Pfarrer Bernhard Winkler

Pfarrerin oder Pfarrer werden

Es gibt Berufe, die sind immer nachgefragt: Arzt, Feuerwehrmann oder Lehrer. Der Beruf eines Pfarrers oder einer Pfarrerin ist dagegen ziemlich out. Das scheint junge Menschen kaum anzusprechen.

Gründe gibt es genug dafür, auch wenn nicht immer alles stimmt, was so gedacht und gesprochen wird. Gibt es aber auch Gründe, die für diesen Beruf sprechen?

Das Aufgabenfeld eines Pfarrers hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert, so wie sich das Leben der Menschen insgesamt verändert hat. Eines ist aber geblieben: der persönliche Kontakt. Das ist das wichtigste. Die Begegnung von Mensch zu Mensch - auf Augenhöhe - in Respekt und Achtung.

Dazu kommt die besondere Situation. Denn es geht beim Pfarrer nicht selten um sehr entscheidende Momente: Der Beginn eines neue Lebens oder auch dessen Ende. Geburt und Tod, Anfang und Ende, damit hat man sehr viel zu tun. Und schließlich geht es um den Glauben, den eigenen wie den von anderen. Es ist eine dauernde Auseinandersetzung, ein sich immer neu fragen, immer neu Antworten versuchen, immer neu in Gemeinschaft treten und miteinander feiern.

Der Beruf des Pfarrer ist was für Spezialisten, die alles versuchen wollen. Es ist einer der letzten Berufe, der sich mit dem Alltag von Menschen beschäftig und dabei keine Ab- oder Ausgrenzungen vornimmt. In diesem Beruf ist immer alles möglich, sogar das Unmögliche. Wer gerne Achterbahn fährt, der ist hier richtig!

© Pfarrer Bernhard Winkler

Infos zu Ausbildung und Beruf erhalten Sie im Pfarramt oder unter
http://www.studienbegleitung-elkb.de

Die Bibel im Alltag
Predigt zu Lk 10,38-42 am 03.03.2019 – Fasching

Verkleidet lebt sich’s manchmal besser,
Wirkt man gleich ein wenig kesser,
Oder ist mit einmal süßer,
Ach man ist halt einfach größer.
Micky Maus oder ne Biene,
Kurzer Rock und lange Beine,
Lacht der Fasching und bring Freude,
Püschelnase, Tupfenkleide.

Doch so manchem Zeitgenossen
Ist der Fasching nichts als Possen,
Singen, tanzen, heisasa,
Alles nur Tamtam, Trara.
Wo ist hier der Ernst des Lebens?
Sucht man ihn wohl recht vergebens?
Ist das denn ein rechtes Trachten?
Oder muss man das verachten?

Ja, das eine, das was wichtig,
Das auch Jesus hält für richtig,
Das Maria sich behalten,
Schlicht zu seinen Füßen falten
Still die Hände zum Gebet,
Und bald alles andre steht
Da im Glanze seiner Botschaft,
Seiner alles umfassenden Kraft.

Sich fallen lassen und schweigen,
So muss sich wahrer Glaube zeigen.
Ganz im Stillen, ganz versunken,
Vom Wort des Herrn gar betrunken,
Ihm ergeben und empfangen,
Aus seinem Geiste neu anfangen.

Fasching oder Fastenzeit.
Alles hält doch was bereit.
Fröhlich einen Jecken mimen,
Und sich ganz auf Gott besinnen.

Denn in beidem wohnt das Leben,
Das der Herrgott uns gegeben.
Fröhlich, lustig und beschwingt,
Drauf die Seele leise singt
Mit Gefühl, liegt darin unser
Gott gegebenes Alltagswunder.
Extro- oder introvertiert.
Hier wird keiner nur blamiert.

Denn das Bessre ist das eine:
Gottes Liebe als die reine
Offenbarung unseres Herr.
Der soll niemand sich verwehrn.
Ihn ins Herz und ins Leben
Einzulassen und zu bewegen
Ist des Glaubens höchste Pflicht,
Davon Jesus dann zu Martha spricht.

„Lege deine Maske ab,
Sieh, was ich zu bieten hab.
Lass dir meine Liebe schenken,
Wirst den Blick von allem lenken
Weg auf dieses Eine hin.
Dass ich auch dein Heiland bin.“

Nun, was gab ihm Martha wohl als Antwort?
Auf die Frage nach dem rechten Standort?
Was hat sie darauf gesagt?
Hat sie Widerspruch gewagt?
Hat sie kleinlaut beigeben.
Sich des Meisters Spruch ergeben?

Oder hat sie protestiert?
Fühlte sie sich noch brüskiert?
Hat sie ihre Schwester gehasst,
Ihr gar einen Tritt verpasst?
Davon ist hier nichts zu lesen,
Wie es weiter ist gewesen.
Ja da müssen wir uns selber fragen,
Und uns selbst die Wahrheit sagen:
Nein, Herr Jesus, so geht das nicht.
Auch wenn du wohl weise sprichst.

Einfach nur Maria loben
Klingt doch reichlich abgehoben.
Mag ja sein, das dir dem Reich
Deines Vaters und zugleich
Unsrem Seelenheil alleine
Gilt die ganze, ja die reine
Sorge und Verkündigung
Und nicht der Verbesserung
Jenes schwesterlichen Trachtens,
Was nach allgemeinen achtens,
So normal wie alltäglich ist.
Ist doch jeder mal ein Egoist.

Wenn wir uns nur mal vorstellen,
Jesus würd sich heut zu uns gesellen.
Nur mal angenommen, er wäre
Jetzt bei uns da an der Türe.

Ach du Heiland, sei gegrüßt,
Schön, dass du mal bei uns bist.
Ham dich lange nicht gesehen.
Ach, wenn wir es recht verstehen
Ist es her bald tausend Jahre
Oder mehr, ja Gott bewahre,
Junge bist du jung geblieben
Komm und setzt dich, gleich hier drüben,
Ist ein schöner Platz für dich.
Mach es dir recht gemütlich.
Willst nen Kaffee, mit Milch und Zucker?
Eine Brezel auch mit Butter?
Apfelschorle, Wasser, Wein?
Oder darf‘s ein Schampus sein?
Ach Herr Jesus, ist das schön,
Dass wir dich hier bei uns sehn.
Haben lange drauf gewartet,
Manchem hat’s das Herz verhärtet,
Jesus, so ein Quatsch, den gibt es
Gar nicht oder aller höchstens
In den alten Märchensagen,
Die die Aufschrift „Bibel“ tragen.

Doch jetzt bist du, Gott sei Dank,
Hier in unserer Kirchenbank.
Apropos die Bank da ist gar
Unbequem und hart, auch wenn zwar
Kissen oben aufgelegt sind,
Warte nur, ich hol geschwind
Nen bequemen Stuhl für dich,
Soll ein wenig behaglich
Sein für unsern Herrn und Gott,
Keine Panik, das geht flott.

So, das müsste jetzt so passen.
Bist gewandert durch den nassen
Wald bis zu uns nach Burgthann?
Na, da schaff ich was ganz tolles ran.
Für die Füße eine Bank.
Setzt dich und mach dich schön lang.
Noch ne Decke oben drüber.
Dass nicht Schnupfen oder Fieber
Dir als Andenken verbliebe.
Deine Laune gar betrübe.

Liebe Gemeinde, wie ist das schön,
Endlich können wir ihn sehn,
Jesus, endlich ist er da,
Das ist für ne Predigt wunderbar.
Aber ach, wie ungeschickt von mir,
Du hast sicher Hunger wie ein Stier.
Moment mal ja, wo ist sie hin,
Die Tüte mit den Salzstangen drin.
Oder lieber Chips zum Knabbern?
Oder etwas Quark zum Schlabbern?

Hallo Mesnerin, ja sie da hinten,
Wo kann ich die Kekse finden?
Ja, jetzt sagen sie halt, wo die sind,
Meine Güte, du liebes Kind,
Personal in heut‘gen Tagen,
Das ist zum Jammern und zum Klagen.
Sitzt da träge auf ihrem Platz,
Ich spring rum wie eine Katz.
Knöpfchen drücken für die Glocken,
Und ansonsten faul rumhocken.

Jesus, sorry, tut mir leid,
Sonst hab ich immer was bereit.
Aber wenn du mal ein Wort sagst,
Und die Dame selber fragst,
Dann ist’s sicher kein Problem
Dein Wort wird sie wohl verstehn!

Wie bitte, ach, was sagst du?
Besser ist’s, man hört gut zu?
Weil wir Gottesdienst hier feiern,
Soll ich nicht so herum eiern?
Meine Herren, lieber Jesus,
jetzt stellst du mich glatt ins Minus.
Wo ich doch so fleißig bin.
Ja, in mir steckt Marta drin.
Ich bin nur um dich besorgt,
Springe hier und springe dort.
Das ist doch das ganz normale,
Was man tut in solchem Falle.

Wenn Besuch von diesem Rang
Kommt in meinem Hause an.
Jeder hier, das will ich meinen,
Handelt gleich in diesem einen,
Gastfreundschaft, die ist geboten,
Da ist Trägheit doch verboten.

Ach, jetzt bin ich recht erschöpft,
bin die ganze Zeit gehüpft,
lehn mich für nen Augenblick,
selber auf dem Stuhl zurück.
Jesus hin und Jesus her,
mir falln seine Worte schwer.

Geht es wirklich nur eins wichtig?
Ist denn nur die Andacht richtig?
Still zu seinen Füßen sitzen,
statt bei Fleiß und Arbeit schwitzen?
Oder ist es nicht viel mehr,
eigentlich gar nicht so schwer
zu verstehen, wenn man denkt,
dass das eine zum andern lenkt.

Marta steckt in jedem drin,
haben wir Maria auch im Sinn?
Wolln wir Jesus nur beglücken,
oder lassen wir uns auch verzücken?
Reicht uns unser eigner Sinn?
Führt uns der schon zu ihm hin?

Ja, die Mesnerin tut recht,
was sie macht, das ist nicht schlecht.
Meine eigne Haltung ist dagegen
Fromm gesprochen recht daneben.
Ich trag meine Glaubensmaske
Meine allzeit angepasste
Haltung stolz vor meiner Brust
Denn: Du bist nur, was du tust.

Falsch gedacht und falsch gemacht,
Jesus über solches lacht.
Du bist mein, das ist das Eine
Das alleine, wie ich meine
Hält Maria ganz bei mir,
Öffnet ihres Herzens Tür
Für den Geist, für Gottes Liebe.
Dass der Glaube in ihr siege.
Das ist wohl der tiefere Sinn,
Darin liegt die Wahrheit drin,
Sich nicht selbst den Ruhm erschaffen,
sondern Jesus in die Seele lassen.
Wenn ich jetzt hier sitzen bleibe,
und mir einfach Zeit vertreibe?
Ob wohl jemand anders dann
Überleitet zum Gesang?
Find sich jemand, der sagt Amen.
Von den Herren und den Damen?
Ich bin jetzt Mariens Sohn,
Ja, die Marta macht das schon.

Ich sag noch: In Gottes Namen!
Und von Euch kommt dann das:
Amen.