Angedacht

„Es werde Licht!
Und es ward Licht.“


Die erste Schöpfungstat Gottes wird mit diesen Worten beschrieben. Licht – der Ursprung allen Seins. Licht als Beginn der Tage, Morgen und Aufbruch, Glanz und Schein, der aus dem Wort, aus der Zuwendung und Ansprache Gottes sich entfaltet.

In der Osternacht feiern wir den beginnenden Morgen, das Licht der Auferstehung. Feierlich wird die Osterkerze in die noch dunkle Kirche getragen. „Christus ist auferstanden!“, sagt der Kerzenträger. „Er ist wahrhaftig auferstanden!“, antwortet die Gemeinde. Das Licht der Kerze wird weitergegeben, jeder erhält seine eigene Osterkerze, sein eigenes Licht.

Als die drei Frauen am Tag nach dem Sabbat zum Grab Jesu gehen, da geht gerade die Sonne auf. Der Sabbat war nach jüdischem Brauch schon zu Ende, als am Abend die Sonne unterging. Aber mit dem aufgehenden Licht erleben sie die Auferstehung Jesu.

Vor einem Jahr blieb unsere Kirche an Ostern dunkel. Seit dem hat sich eine unglaubliche Dunkelheit über uns und die ganze Welt gelegt. Die Schatten verfolgen uns täglich, wir sind eingesperrt und ausgegrenzt. Viele Lichter wurden uns bis dahin versprochen, aber welchem Licht können wir trauen? Wo ist das Licht, das uns wieder an den Ursprung zurück bringt?

Dieses Jahr werden wir das Licht in der Kirche leuchten sehen. Wir werden SEIN Licht leuchten sehen. Denn dafür ist Jesus Christus in die Welt gekommen. Dafür ist er gestorben und auferstanden. „Ich bin das Licht der Welt.“, hat Jesus gesagt. Und der Prophet fügt hinzu: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“

Da kann man sich nur der Empfehlung der deutschen Hip-Hop-Band „Die Fantastischen Vier“ anschließen, die in ihren Anfängen sagen: „Lass die Sonne rein!“

Frohe und sonnige Ostern wünscht
Ihnen Ihr

Pfarrer Bernhard Winkler

Gedanken zu unserer Kirche

Quo vadis? – Wo gehst du hin?

Ein Klassiker der Filmgeschichte! Wer kennt ihn nicht, dieser monumentale Streifen mit Peter Ustinov als Nero, der bezaubernden Lydia und ihrem strahlenden Helden Markus Venicius! Im Rom des Jahres 64 n. Chr. herrschen Chaos und Terror. Kaiser Nero hat immer neue skrupellose Ideen, mit denen er der Nachwelt unvergesslich bleiben möchte. Während dessen macht sich eine ganz andere Macht auf den Weg, Rom und die Welt zu erobern: das Christentum. Lydia, und ihre ganze Familie gehen zu den geheimen Treffen der Christen. Bis der Feldherr Markus Venicius auftaucht und sich in Lydia verliebt. Fortan muss der sieggewohnte Feldherr einen ungleichen Kampf aufnehmen: zwischen Loyalität seinem Herrscher gegenüber und der Liebe zu einer Frau, die ihren Glauben über alles stellt. Am Ende geht Rom in Flammen auf. Nero hängt die Sache den Christen an und lässt hunderte von ihnen im Kolosseum hinrichten. Doch plötzlich taucht ein gewisser Petrus auf und hält eine mitreißende Predigt. Schließlich kommt es zum Kampf: Lydia soll hingerichtet werden. Doch die Kraft ihres Beschützers und ihres Glaubens siegen, Nero wird gestürzt, Marcus Venicius bekehrt sich zu Jesus und heiratet Lydia. Der Himmel über Rom strahlt in gleisendem Sonnenlicht, wie einst am Ostermorgen über dem Grab Jesu.

Quo vadis? – ist das auch ein Klassiker der Kirchengeschichte? Was hat die Kirche in ihren bald 2000 Jahren zustande gebracht. Was sind die Kräfte, die sie angetrieben haben. Und vor allem: Was treibt sie heute (an)?

Eine sehr einseitige und flüchtige Bestandsaufnahme könnte so aussehen:

Überschrift Süddeutsche Zeitung am 19.05.2020:
„Haben die Kirchen in der Corona-Krise versagt?“


Überschrift Evangelisches Sonntagsblatt vom 05.08.2020:
„Kirche hat sich in der Corona-Krise nicht weggeduckt“.


So pariert die Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern den Angriff der Süddeutschen.

Überschrift Korrespondenzblatt 10/2020, Seite 199:
„Ein Christ kann ertrinken lassen“.


Überschrift Sonntagsblatt 11.11.2020:
„Nach Kritik an Seenotrettung: Nürnberger Pfarrer muss seine Gemeinde verlassen“


Soweit so schlecht. Denn eines wird deutlich: Wir sind im Geiste längst den Medien erlegen. Wir tun, was uns hilft, damit wir nicht im vermeintlich falschen Licht dastehen. Unsere Kirche ist zutiefst opportunistisch geworden. Warum muss man sich sofort gegen einen Vorwurf wehren, wenn er gar nicht so unzutreffend ist? Ja, wir sind in der ersten Krise Anfang 2020 zusammengezuckt. Alle, auch die Kirchenmitarbeiter, die Pfarrerinnen und Pfarrer. Sogar die Kirchenleitung war erstmal unsicher. Was ist daran falsch? Was ist daran falsch, wenn ein Pfarrer mit spitzer Feder den Finger in die Wunde legt und darauf aufmerksam macht, dass die Seenotrettung, die die Landeskirche unterstützt, nicht mehr als ein Feigenblatt auf der weißen Weste der Barmherzigkeit ist? Muss der Pfarrer gehen, weil man schlechte Presse fürchtet? Und deshalb die Auseinandersetzung scheut? Und lieber sagt: Wir sind alle ganz toll?

Quo vadis? – Die „Süddeutsche“ wird keine Antwort geben. Versuchen wir es selber. Suchen wir nach dem Weg, der Antwort, der Zukunft, die uns geschenkt ist. Denn das ist ja eine unserer Aufgaben. Suchen und fragen, hören und beten. Verkündigung ist das Stichwort. „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker“, hat uns Jesus aufgetragen. Wir sind Boten, Zeugen seines Geistes und seiner Gegenwart. Die Zukunft ist Auftrag. Da kommen wir nicht raus. Auch wenn die Kirchen und die Gottesdienste mal geschlossen bleiben. Dann braucht es neue Wege. Zum Beispiel das Internet, oder das Telefon, oder der gute alte Brief. Das muss nicht allein der Pfarrer oder andere Mitarbeiter der Gemeinde machen. Das können alle. Anrufen, Anteil nehmen, und auch beten. Loben und Danken, Bitten für sich und andere. So haben wir es mit einer Telefon-Andacht zur Allianz-Gebetswoche gemacht. Hat geklappt.

In diesem Ersten liegt noch ein Zweites. Wir verkündigen Jesus Christus in Wort und Tat. Nicht nur reden, zuhören und beten, auch helfen, da sein und unterstützen. Diakonie ist hier das Stichwort. Unsere Mitarbeitenden in der Diakonie, die haben durchgehalten. Von denen darf die Regionalbischöfin sagen: Sie haben sich nicht weggeduckt. Das wäre ehrlich und aufrichtig. Und das ist unsere Zukunft. Dass wir den Menschen wichtig sind, weil wir was für sie tun. Wir haben was zu bieten, was auch den Ungläubigen, den schwach Gläubigen, den Zögernden und Zweifelnden anspricht. Wir können nämlich unseren Worten Taten folgen lassen. Wenn in der Jahreslosung 2021 die Aufforderung an uns gerichtet ist, selber barmherzig zu sein, dann ist damit genau jener Schmelzpunkt gemeint, in dem sich Glaube und Leben zum Feuer der Liebe Gottes verdichten.

Quo vadis? – Wohin gehst du? Fehler und Schwächen kann man zugeben. Verirrte Meinungen und zu spitze Federn kann man einfangen. Aber was wir sind und wer wir sind und wofür wir stehen, dass darf nicht abhängig sein vom Fähnchen des Zeitgeistes oder den Launen einer wie auch immer gearteten „Community“. Die Kirche ist kein „Influencer“ und sie sucht keine „Follower“. Die Kirche ist ein Weg, auf dem seit Anbeginn Menschen unterwegs sind. Und das Ziel ist Gottes Gegenwart. Da gehen wir hin.

Wenn Sie mitkommen wollen? Sie sind immer herzlich eingeladen.

Ihr Pfarrer Bernhard Winkler

Gebet

Lieber Gott,

wir befinden uns gerade in einer schrecklichen Zeit mit Gefahr
für Leib und Seele durch das unbekannte Corona-Virus.

Niemand war darauf vorbereitet und keiner hätte sich in den
schlimmsten Träumen vorstellen können,
dass die Bedrohnung derartige Ausmaße annimmt.

Lass uns nicht verzweifeln, Herr! Hilf uns, geduldig zu bleiben
und auf deine Hilfe zu hoffen, damit wir nach diesen Wochen oder
Monaten wieder fröhlich ans Werk gehen können, dir zum Lobpreis und zur Ehre.

Lieber Vater im Himmel, sprich du nur ein Wort und deine Erde wird gesund!
Darauf hoffen wir in der Gewissheit, dass wir nicht alleine sind
und du uns behütest und bewahrst.

Amen.

(Nina Sander, Gemeindeglied Burgthann)

Ein Glaubensbekenntnis

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge
zum Besten dienen lassen.

lch glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage soviel
Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns
nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn
verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der
Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern, dass er
auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten
wartet und antwortet.

(Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis)


Gebet

Vergissmeinnicht

Vergissmeinnicht – sagen die Ärzte, die Krankenschwestern und Pfleger, weil wir auch nach Corona immer noch für euch da sein werden. Lieber Gott, hilf ihnen, dass sie durchhalten und die richtigen Entscheidungen treffen, damit die Pandemie besiegt werden kann.

Vergissmeinnicht – sagen die Ladenbesitzer, die Gastwirte, die Cafés, die Handwerker, die Landwirte, die Lehrkräfte und Erzieherinnen und auch die Kirchen. Wir haben inzwischen alle erkannt, irgendwie hängt alles vom anderen ab und wir sind kleine Mosaiksteinchen im großen Bild des Lebens und jede Arbeit ist einzigartig wertvoll. Gott sei uns gnädig.

Vergissmeinnicht – sagen die Großeltern, die ihre Enkel jetzt nicht sehen dürfen. Lieber Gott, wie werden wir uns freuen, wenn wir unsere Familienangehörigen wieder unein-geschränkt besuchen und umarmen dürfen, nicht nur symbolisch in den neuen Medien.

Vergissmeinnicht – sagen die Leute der Risikogruppe, die Kranken und die Senioren in den Heimen. Lieber Gott, wir haben nicht gewusst, wie furchtbar unerträglich Einsamkeit sein kann.

Vergissmeinnicht – sagen die Kinder, die jetzt auf ihre Freunde, die Schule und den Kindergarten verzichten müssen. Lieber Gott, hilf ihnen, dass sie gut in ihren Familien aufgehoben sind und dort etwas von deiner Liebe spüren können.

Vergissmeinnicht – sagen die Eltern, die jetzt gleichzeitig Papa, Mama, Lehrkraft, Spielkameraden und Berufstätige sein müssen. Es ist zu viel, lieber Gott, schenke uns Kraft und Durchhaltevermögen.

Vergissmeinnicht - sagt die Natur, die sich uns gerade jetzt von ihrer allerschönsten Seite zeigt und uns einlädt, ihre Wunder wahrzunehmen. Wir bitten dich um Regen, lieber Gott, damit die Früchte wachsen können.

Vergissmeinnicht – sagen wir alle. Lieber Gott, du weißt den Weg für uns, durch diese Krise hindurch, hinein in ein neues Leben, vielleicht mit anderen Prioritäten als vor Corona.

Hilf uns, lieber Gott, dass die Verantwortlichen die richtigen Entscheidungen treffen und wir alle gemeinsam diesen Virus besiegen können. Lass uns das Vertrauen in deine Allmacht nicht vergessen, Herr, bleibe du bei uns. Amen.

(Nina Sander, Gemeindeglied Burgthann)

Vertrauen

Ein Wort wie jedes andere auch – beim ersten Hinschauen.

Auf den zweiten Blick frage ich mich doch, was Vertrauen eigentlich ist,

wo es ernst gemeint und wo es billig erscheint.

Ich merke, dass mein Vertrauen Risse hat,

mit Zweifeln dekoriert, alles andere als stabil erscheint.

Was heißt es also, wenn ich sage, ich vertraue Dir?

Ich nehme meine Macht und gebe sie Dir.

Ich lasse los, setze auf Dich,

in der Hoffnung nicht enttäuscht zu werden und öffne mich.

Das ist das Risiko, das in Vertrauen steckt,

mich immer wieder neu abschreckt und die Sicht verdeckt.

Aber genau hier liegt die Chance, um Schritte zu gehen.

Denn Vertrauen ist die Basis, um weiterzubauen, um weiterzuschauen,

um neu zu verstehen, weiterzusehen und Beziehungen einzugehen.

Vertrauen öffnet Türen, Neues zu wagen und auszuprobieren.

Vertrauen ist mehr als ein bloßes Studieren.

Vertrauen heißt Beziehung, meint tun, meint Distanz verlieren.

Vertrauen ist eine Entscheidung, ein Ja zu Dir.

Und wenn mein Vertrauen nicht reicht, sagst Du ja zu mir.

Denn du vertraust mir und ich Dir.

(Julia Winkel, Gemeindepraktikantin)


span class="col"