Angedacht im Juni


Die Verehrung des Meisters.

So lautet der Titel dieses Bildes.

Dabei fallen sofort einige Besonderheiten auf: Es handelt sich wohl um ein Abendmahl, aber es sind nicht die Jünger dargestellt sondern Frauen. Nun, wir wissen, dass Frauen Jesus nachgefolgt sind, sie werden auch als Jüngerinnen bezeichnet. Aber beim Abendmahl?

Wenn man nun noch genauer hinschaut, muss man feststellen: Es sind nicht Frauen, es ist eine Frau, die da mehrfach, dass heißt genau zwölf Mal dargestellt ist. Und jetzt fällt auch auf, dass dieser Jesus gar nicht Jesus ist sondern Albrecht Dürer, der Nürnberger Maler und Künstler. Und die Frauen, also die Frau ist wohl seine Frau.

Das Abendmahlbild ist ein Ehebild, eine Kollage, die die Verehrung des Meisters auf witzige und provozierende Weise ins Bild setzt: Dürer, der Unnahbare, der Souveräne, reizt seine Ehefrau zu allerlei Haltungen, die ihm schmeicheln und ärgern, die ihn verehren und verachten, die ihn lieben und belehren. Zwei Figuren sind gar nicht am Tisch mit dabei: Die eine links schaut hinter einer Säule hervor, die andere hockt abseits, hat den Kopf in die Hand gestützt und denkt nach.

Die Verehrung des Meisters. Wir wissen, dass das Ehepaar Abrecht und Agnes Dürer streitbar war. Albrecht hat sich in Briefen recht deutlich geäußert. Doch wie sollte man neben einem exzentrischen Künstler bestehen, wenn nicht mit eigener Härte? Agnes Dürer hat sehr viel für den Erhalt und die Veröffentlichung von Dürers Werken getan. Sie war Managerin und Buchhalterin, sie trieb die Honorare ein und half mit, die vielfältigen Geschäftsbeziehungen des Herrn Dürer zu pflegen.

Wenn man jetzt die Frau(en) auf dem Bild betrachtet, dann findet man sie, diese Ehefrau an der Seite des Künstlers: Sittsam und mit Haltung, mit dem Stickkissen und stechenden Augen, die Hände gefaltet den Gatten anflehend, abseits hockend oder hinter der Säule nach ihm spähend. Ganz rechts am Tisch mit Rose, gleich links von ihm mit Kuchen, rechts im Hintergrund mit den Händen in den Hüften. Schließlich traurig auf dem Tisch liegend, daneben der Totenkopf als Zeichen dafür, dass sie nun Witwe ist.

Ich kann mir vorstellen, dass es den Frauen in der Nachfolge Jesu ähnlich gegangen ist. Der Alltag ist nichts heiliges, er ist durchsetzt von Gefühlen, die rauf und runter gehen. Doch am Ende bleibt etwas Besonderes: Die klaren und immer deutlichen Gesichtszüge von Agnes Dürer setzten einer Frau ein Denkmal, die wohl sonst kaum Beachtung erfährt. So ist es auch ein Abendmahlbild, weil es an die erinnert, die sich für Jesus bereit hielten.

So möchte ich mit diesen Gedanken einen Dank verbinden an all die Frauen in unserer Gemeinde, die so unterschiedlich helfen und mitwirken am Leben und Glauben in unserer Kirche.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Bernhard Winkler

Die Bibel im Alltag