Angedacht

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn es ihr wohl geht, so geht es euch auch wohl. Jeremia 29,7

Was ist gerade das Beste für unsere Gesellschaft? Masken tragen? Oder keine Masken tragen?

Die Madonna mit „Maske“ auf der Titelseite war eine Zufallsbegegnung in meinem Urlaub in der Bretagne. In einer Nische in der Kirche St.Gorgon in Plovan habe ich diese Figur gefunden. Die Maskenpflicht in Kirchen, auf öffentlichen Plätzen, in Geschäften war in Frankreich strenger als bei uns: Sogar die Heiligenfiguren müssen Masken tragen, war mein erster Gedanke.

Auch wenn wir uns gerade nicht völlig frei bewegen dürfen, sind wir doch nicht schon in Gefangenschaft. Nun kann es sein, dass mir nicht alle Maßnahmen einleuchten. Da erlebe ich auch so manche Widersprüche. Es ist auch möglich, dass sich Manches im Nachhinein als falsch herausstellt.

Trotzdem bin ich dafür, den ausgegebenen Regeln zu folgen. Zum Einen, weil ich schon mein ganzes Leben lang in einem Land lebe, wo es gut ist zu leben.

Und es gerade keine Revolutionen braucht, für mehr Freiheit. Wir leben nicht unter einem Unrechtsregime, sondern in einem demokratischen Staat. Das mag nach Anpassung klingen, ist aber in meinen Augen die Übernahme von Verantwortung für das Ganze der Gesellschaft. Mich ärgert dieses Gezeter nach Freiheit. Wenn es eine Maske gäbe gegen Hassreden, Morddrohungen, Rassismus, Menschenfeindlichkeit diese würde ich verpflichtend machen! Allein bleibt dies mein frommer Wunsch.

Wir halten uns an die Regeln, weil wir der Gemeinde Bestes suchen. Wir beanspruchen keine Sonderrechte. Wenn wir wieder Gottesdienste halten dürfen unter Auflagen, freuen wir uns, wieder Gottesdienste halten zu dürfen.

Niemand von uns wird in der freien Ausübung seines Glaubens behindert. Ja es fehlt die Gemeinschaft, und das schmerzt. Aber solange wir mit Gott unterwegs sein dürfen, solange es Fernseh-Gottesdienste und Andachten per Briefeinwurf gibt, solange wir unsere fröhliche Kreativität behalten, sind wir doch nicht verloren! Wir können unseren Glauben dem Hass entgegensetzen!

Wir können im Blick auf die Schönheit der Schöpfung unser Leben so revolutionieren, dass wir unsere Erde auch bewahren. Das wäre vielleicht eine Lehre aus der Coronakrise. Wir können die sehen und unterstützen, die schlechtbezahlt in Pflegeberufen arbeiten. Wir können den Blick auf die Gemeinschaft wenden, anstatt uns in Selbstgerechtigkeit und Egoismus zu verlieren.

Günter Tischer

Gebet

Lieber Gott,

wir befinden uns gerade in einer schrecklichen Zeit mit Gefahr
für Leib und Seele durch das unbekannte Corona-Virus.

Niemand war darauf vorbereitet und keiner hätte sich in den
schlimmsten Träumen vorstellen können,
dass die Bedrohnung derartige Ausmaße annimmt.

Lass uns nicht verzweifeln, Herr! Hilf uns, geduldig zu bleiben
und auf deine Hilfe zu hoffen, damit wir nach diesen Wochen oder
Monaten wieder fröhlich ans Werk gehen können, dir zum Lobpreis und zur Ehre.

Lieber Vater im Himmel, sprich du nur ein Wort und deine Erde wird gesund!
Darauf hoffen wir in der Gewissheit, dass wir nicht alleine sind
und du uns behütest und bewahrst.

Amen.

(Nina Sander, Gemeindeglied Burgthann)

Ein Glaubensbekenntnis

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge
zum Besten dienen lassen.

lch glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage soviel
Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns
nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn
verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der
Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern, dass er
auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten
wartet und antwortet.

(Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis)


Gebet

Vergissmeinnicht

Vergissmeinnicht – sagen die Ärzte, die Krankenschwestern und Pfleger, weil wir auch nach Corona immer noch für euch da sein werden. Lieber Gott, hilf ihnen, dass sie durchhalten und die richtigen Entscheidungen treffen, damit die Pandemie besiegt werden kann.

Vergissmeinnicht – sagen die Ladenbesitzer, die Gastwirte, die Cafés, die Handwerker, die Landwirte, die Lehrkräfte und Erzieherinnen und auch die Kirchen. Wir haben inzwischen alle erkannt, irgendwie hängt alles vom anderen ab und wir sind kleine Mosaiksteinchen im großen Bild des Lebens und jede Arbeit ist einzigartig wertvoll. Gott sei uns gnädig.

Vergissmeinnicht – sagen die Großeltern, die ihre Enkel jetzt nicht sehen dürfen. Lieber Gott, wie werden wir uns freuen, wenn wir unsere Familienangehörigen wieder unein-geschränkt besuchen und umarmen dürfen, nicht nur symbolisch in den neuen Medien.

Vergissmeinnicht – sagen die Leute der Risikogruppe, die Kranken und die Senioren in den Heimen. Lieber Gott, wir haben nicht gewusst, wie furchtbar unerträglich Einsamkeit sein kann.

Vergissmeinnicht – sagen die Kinder, die jetzt auf ihre Freunde, die Schule und den Kindergarten verzichten müssen. Lieber Gott, hilf ihnen, dass sie gut in ihren Familien aufgehoben sind und dort etwas von deiner Liebe spüren können.

Vergissmeinnicht – sagen die Eltern, die jetzt gleichzeitig Papa, Mama, Lehrkraft, Spielkameraden und Berufstätige sein müssen. Es ist zu viel, lieber Gott, schenke uns Kraft und Durchhaltevermögen.

Vergissmeinnicht - sagt die Natur, die sich uns gerade jetzt von ihrer allerschönsten Seite zeigt und uns einlädt, ihre Wunder wahrzunehmen. Wir bitten dich um Regen, lieber Gott, damit die Früchte wachsen können.

Vergissmeinnicht – sagen wir alle. Lieber Gott, du weißt den Weg für uns, durch diese Krise hindurch, hinein in ein neues Leben, vielleicht mit anderen Prioritäten als vor Corona.

Hilf uns, lieber Gott, dass die Verantwortlichen die richtigen Entscheidungen treffen und wir alle gemeinsam diesen Virus besiegen können. Lass uns das Vertrauen in deine Allmacht nicht vergessen, Herr, bleibe du bei uns. Amen.

(Nina Sander, Gemeindeglied Burgthann)

Vertrauen

Ein Wort wie jedes andere auch – beim ersten Hinschauen.

Auf den zweiten Blick frage ich mich doch, was Vertrauen eigentlich ist,

wo es ernst gemeint und wo es billig erscheint.

Ich merke, dass mein Vertrauen Risse hat,

mit Zweifeln dekoriert, alles andere als stabil erscheint.

Was heißt es also, wenn ich sage, ich vertraue Dir?

Ich nehme meine Macht und gebe sie Dir.

Ich lasse los, setze auf Dich,

in der Hoffnung nicht enttäuscht zu werden und öffne mich.

Das ist das Risiko, das in Vertrauen steckt,

mich immer wieder neu abschreckt und die Sicht verdeckt.

Aber genau hier liegt die Chance, um Schritte zu gehen.

Denn Vertrauen ist die Basis, um weiterzubauen, um weiterzuschauen,

um neu zu verstehen, weiterzusehen und Beziehungen einzugehen.

Vertrauen öffnet Türen, Neues zu wagen und auszuprobieren.

Vertrauen ist mehr als ein bloßes Studieren.

Vertrauen heißt Beziehung, meint tun, meint Distanz verlieren.

Vertrauen ist eine Entscheidung, ein Ja zu Dir.

Und wenn mein Vertrauen nicht reicht, sagst Du ja zu mir.

Denn du vertraust mir und ich Dir.

(Julia Winkel, Gemeindepraktikantin)


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