Angedacht

Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele. Psalm 139,14

Zwei Steinpilze: Fundstücke des Spätsommers. Motivationsretter für eine problematische Familienwanderung. Wandern? Kein Bock! Lieber Computer, der verspricht zumindest virtuell eine bunte, schnelle und abwechslungsreiche Welt. Aber dann dieser Schatz am Wegesrand. Überraschend wird wertvolle „Beute“ gemacht: Der geschätzte Pilz, der ja nur selten anzutreffen ist.

Der Psalm 139 ist auch voller Fundstücke. Da hat einer aus seinem Leben eine Schatzsuche gemacht. Er findet sich und dazu ein ganzes Universum, was ihn an Gottes Größe und die Schönheit seiner Schöpfung erinnert. Ja, alles, was man auf dieser Erde finden kann, kommt aus Gottes Hand, ist wertvoll und kostbar, ist Geschenk und Gabe, lässt uns ahnen, wie wunderbar Gott selber ist.

Der Beter setzt jetzt aber nicht zu einem überschwänglichen Lob an. Er singt keine Hymne auf den lieben Gott. Er sagt: Das kann man eigentlich gar nicht begreifen. Die Seele erkennt wohl, was Gott alles macht. Man kann den Pilz finden und sich daran freuen. Aber warum genau dieser eine Pilz so gut schmeckt, warum genau der so selten ist, warum der dann auf einmal am Wegrand steht? Wer soll das sagen?

Der 139. Psalm ist ein Gebet voller Zweifel und Fragen. Dabei gelten die Ungewissheiten nicht Gott sondern dem eigenen Empfinden. Bin ich denn würdig, von Gott beachtet zu werden? Bin ich es wert, dass Gott mich liebt? Die Antwort bleibt merklich leise. Ja, wenn Gott das so will. Für ihn bin ich selber wunderbar gemacht. Gerne möchte ich diesen Zuspruch annehmen, ihn umsetzen, ihn mit mir und meinem Selbstbild verknüpfen! Aber das gelingt nicht immer. Wenn nur Gott hilft, dass das Wunder des Lebens nicht an mir und meinem Leben vorbeigeht! Das könnte schon genügen. Wenn nur Gott hilft, dass ich nicht im Zweifel versinke. Das wäre eine große Erleichterung.

Der Beter will sich von Gott ansprechen lassen, damit er das eigene Unvermögen klein halten kann. „Gott hat alles wunderbar gemacht, auch ich selber bin wunderbar – das erkennt meine Seele.“

Die Pilze am Wegrand können helfen. Auf einmal macht es Spaß, durch den Wald zu laufen. Und die Augen suchen mit Fleiß, ob es noch mehr zu entdecken gibt. Jeder weitere Fund wird zur Überraschung, die lauthals verkündet wird. „Hier ist noch einer!“ Ja, und da ist noch einer, der uns das alles schenkt. Die anfängliche Unlust ist überwunden, ein paar Pilze haben die Augen und das Herz geöffnet. Wunderbar!

Eine gesegnete Herbstzeit wünscht Ihnen Ihr

Pfarrer Bernhard Winkler

Gebet

Lieber Gott,

wir befinden uns gerade in einer schrecklichen Zeit mit Gefahr
für Leib und Seele durch das unbekannte Corona-Virus.

Niemand war darauf vorbereitet und keiner hätte sich in den
schlimmsten Träumen vorstellen können,
dass die Bedrohnung derartige Ausmaße annimmt.

Lass uns nicht verzweifeln, Herr! Hilf uns, geduldig zu bleiben
und auf deine Hilfe zu hoffen, damit wir nach diesen Wochen oder
Monaten wieder fröhlich ans Werk gehen können, dir zum Lobpreis und zur Ehre.

Lieber Vater im Himmel, sprich du nur ein Wort und deine Erde wird gesund!
Darauf hoffen wir in der Gewissheit, dass wir nicht alleine sind
und du uns behütest und bewahrst.

Amen.

(Nina Sander, Gemeindeglied Burgthann)

Ein Glaubensbekenntnis

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge
zum Besten dienen lassen.

lch glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage soviel
Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns
nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn
verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der
Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern, dass er
auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten
wartet und antwortet.

(Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis)


Gebet

Vergissmeinnicht

Vergissmeinnicht – sagen die Ärzte, die Krankenschwestern und Pfleger, weil wir auch nach Corona immer noch für euch da sein werden. Lieber Gott, hilf ihnen, dass sie durchhalten und die richtigen Entscheidungen treffen, damit die Pandemie besiegt werden kann.

Vergissmeinnicht – sagen die Ladenbesitzer, die Gastwirte, die Cafés, die Handwerker, die Landwirte, die Lehrkräfte und Erzieherinnen und auch die Kirchen. Wir haben inzwischen alle erkannt, irgendwie hängt alles vom anderen ab und wir sind kleine Mosaiksteinchen im großen Bild des Lebens und jede Arbeit ist einzigartig wertvoll. Gott sei uns gnädig.

Vergissmeinnicht – sagen die Großeltern, die ihre Enkel jetzt nicht sehen dürfen. Lieber Gott, wie werden wir uns freuen, wenn wir unsere Familienangehörigen wieder unein-geschränkt besuchen und umarmen dürfen, nicht nur symbolisch in den neuen Medien.

Vergissmeinnicht – sagen die Leute der Risikogruppe, die Kranken und die Senioren in den Heimen. Lieber Gott, wir haben nicht gewusst, wie furchtbar unerträglich Einsamkeit sein kann.

Vergissmeinnicht – sagen die Kinder, die jetzt auf ihre Freunde, die Schule und den Kindergarten verzichten müssen. Lieber Gott, hilf ihnen, dass sie gut in ihren Familien aufgehoben sind und dort etwas von deiner Liebe spüren können.

Vergissmeinnicht – sagen die Eltern, die jetzt gleichzeitig Papa, Mama, Lehrkraft, Spielkameraden und Berufstätige sein müssen. Es ist zu viel, lieber Gott, schenke uns Kraft und Durchhaltevermögen.

Vergissmeinnicht - sagt die Natur, die sich uns gerade jetzt von ihrer allerschönsten Seite zeigt und uns einlädt, ihre Wunder wahrzunehmen. Wir bitten dich um Regen, lieber Gott, damit die Früchte wachsen können.

Vergissmeinnicht – sagen wir alle. Lieber Gott, du weißt den Weg für uns, durch diese Krise hindurch, hinein in ein neues Leben, vielleicht mit anderen Prioritäten als vor Corona.

Hilf uns, lieber Gott, dass die Verantwortlichen die richtigen Entscheidungen treffen und wir alle gemeinsam diesen Virus besiegen können. Lass uns das Vertrauen in deine Allmacht nicht vergessen, Herr, bleibe du bei uns. Amen.

(Nina Sander, Gemeindeglied Burgthann)

Vertrauen

Ein Wort wie jedes andere auch – beim ersten Hinschauen.

Auf den zweiten Blick frage ich mich doch, was Vertrauen eigentlich ist,

wo es ernst gemeint und wo es billig erscheint.

Ich merke, dass mein Vertrauen Risse hat,

mit Zweifeln dekoriert, alles andere als stabil erscheint.

Was heißt es also, wenn ich sage, ich vertraue Dir?

Ich nehme meine Macht und gebe sie Dir.

Ich lasse los, setze auf Dich,

in der Hoffnung nicht enttäuscht zu werden und öffne mich.

Das ist das Risiko, das in Vertrauen steckt,

mich immer wieder neu abschreckt und die Sicht verdeckt.

Aber genau hier liegt die Chance, um Schritte zu gehen.

Denn Vertrauen ist die Basis, um weiterzubauen, um weiterzuschauen,

um neu zu verstehen, weiterzusehen und Beziehungen einzugehen.

Vertrauen öffnet Türen, Neues zu wagen und auszuprobieren.

Vertrauen ist mehr als ein bloßes Studieren.

Vertrauen heißt Beziehung, meint tun, meint Distanz verlieren.

Vertrauen ist eine Entscheidung, ein Ja zu Dir.

Und wenn mein Vertrauen nicht reicht, sagst Du ja zu mir.

Denn du vertraust mir und ich Dir.

(Julia Winkel, Gemeindepraktikantin)


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